Autor: Manfred Krämer
Manfred Krämer ist Lkw-Fahrer, Läufer, Krimiautor und Kolumnist. Bei uns schreibt der Sportbegeisterte Trucker über seinen Truckeralltag und seine Leidenschaft zum Sport.

 

Zum Laufen braucht man nicht viel – das Krämer Experiment

Zum Laufen braucht man nicht viel. Heißt es. Laufschuhe, Funktionskleidung, gut ist. Laufen kann man immer und überall. Heißt es. Auch in der Mittagspause. Nur frisst ein halbstündiger Lauf inklusive Vor- und Nachbereitung (Umziehen – Laufen – Duschen – Umziehen) die komplette Pause auf. Essen? Was lesen? Nickerchen? Fehlanzeige! Hier greift das Krämer-Experiment.

Ich wollte wissen, ob es möglich ist, den Motor abzustellen, die Fahrertür zu öffnen, auszusteigen und einfach loszulaufen. So wie man gerade ist. Um das Risiko möglichst gering zu halten, habe ich den Testlauf allerdings erst am Ende meines Arbeitstages absolviert. Meinen treuen Laufgefährten, den rasenden Pulled-Pork-Barbecue-Master Ingo habe ich kurz vorher informiert und als ich meinen Laster laut piepend rückwärts in meinen Hof rangierte, kam er auch schon an: Laufschuhe, Funktionsklamotten, High-Tech-Socken.

S3 Schutzschuhe, Müffelsocken und Baumwolllatzhose – das perfekte Laufoutfit?

Ungläubig musterte er mein Laufoutfit: S3 Schutzschuhe (zusammen 1610 gr.), schwere Baumwolllatzhose von Engelbert-Strauss, Baumwollshirt, Kunstfaser-Fahrerweste, Baumwoll-Basecap von Rosenbauer. Immerhin, meine Unterhose in Sexy-Retro-Kastenform ist aus Kunstfaser. Es steht Baci auf dem Bund, sie stammt von einem Livorneser Markt-Grabbeltisch.Die Sonnenbrille ist eine schwere Ray-Ban und die Müffelsocken sind aus Baumwolle mit Stretchanteil. Die ganze Ausrüstung bringt geschätzte vier Kilo auf die Waage. Das einzige Laufutensil ist meine Polar M400. Die klicke ich an und als das GPS aufmunternd zirpt geht es los.

Ach ja: die Schuhe sind neu. Die hatten heute ihren ersten Arbeitstag. Die ersten befremdeten Blicke treffen uns, als wir durch die nahe Fußgängerunterführung die Bahnlinie Mannheim-Frankfurt unterquerten. „Haben Sie einen grauweißen Lkw gesehen?“, hechle ich dem verdutzten alten Herrn entgegen, der automatisch den Kopf schüttelt. Ob er die Frage verneint, oder meinen Geisteszustand damit kommentiert bleibt offen. Laut knallen die S3 durch die Betonschlucht. Erster Nachteil: die Dinger sind so flexibel wie ein Vierkantrohr aus Stahl. Aber Grip haben sie. An der Grenze des Wohngebietes biegen wir links auf den Rookie-Ring ein. Eine zwei Kilometer lange Schleife, auf der jederzeit eine Unterbrechung dieses idiotischen Vorhabens möglich ist.

Fünf läppische Kilometer

Angezettelt sind fünf Kilometer. Bereits nach Zweien habe ich keine Lust mehr. Meine rechte Wade, die ich mir am Sonntagmorgen bei einer allzu engagiert angegangenen Treppenübung gezerrt habe, meldet sich spürbar. Deswegen bin ich die ganze Woche nicht gelaufen. Und jetzt das! Da: Spaziergänger! Locker schwebt der Grillmaster auf seinen gelgedämpften Schläppchen neben mir her. Ich schnaufe wie nach einer Intervalleinheit. Das T-Shirt klebt an meinem Oberkörper, die Joppe hält wenigstens den Wind ab, innerlich dampft sie. Laufaufguss nennt man das oder? Die Hose schlabbert um Knie und Schenkel und da ist er schon: Kilometer zwei! „Noch ne Runde?“,  fragt der Koch und ich nicke. Lust habe ich keine mehr, aber einen läppischen Fünfer werde ich doch noch hinkriegen. Immerhin verhindert die Baci-Unterbux, dass ich mich an der Arbeitshose Wundscheuere.

Geht – muss man aber mögen

Die Schuhe scheinen mittlerweile zehn Kilo zu wiegen. Immerhin, der Trainingseffekt ist sicher besser. So ähnlich wie Laufen mit Gewichten. Die fette Ray-Ban ätzt sich in den Nasenrücken, ich stecke sie ein und wische mir den Schweiß von der Stirn. Unter der dicken Kappe herrscht die gleiche Temperatur wie bei Ingos Schmorbraten. Dann endlich die Unterführung! Noch fünfzig Meter. Ich nehme die Stufen. Die sind einen guten Meter breit und zwingen zu flotter Gangart. Klack-Klack-klack, hier kommt der Eisenschuh! Piep sagt die Polar und zeigt mir 36 und gequetschte als Zielzeit. Okay. Immerhin. Ich bin durchgeschwitzt, aber die Füße haben sich erstaunlich gut gehalten. Und das, obwohl die S3 Straßenschuhgröße haben. Doch bei einem Zehner, vielleicht sogar bei einem Achter hätte ich sicher Probleme mit den Zehennägeln bekommen. Ich unterhalte mich noch ein wenig mit dem Runner’s-Koch und coole recht schnell down. Wenn ich bei einem Kunden im Sommer die Seite des Lkw-Aufbaues komplett aufmachen muss, bin ich genauso nass. Theoretisch könnte ich jetzt meine Tour fortsetzen oder noch gute zwanzig Minuten Mittag machen.

Fazit: Geht. Muss man aber mögen. Bis zum nächsten Experiment. Eure Marathonne.

 

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Das Krämer-Experiment

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Manfred Krämer ist Lkw-Fahrer, Läufer, Krimiautor und Kolumnist. Bei uns schreibt der Sportbegeisterte Trucker über seinen Truckeralltag und seine Leidenschaft zum Sport.